Meldungen aus dem Bezirksverband Nordbaden
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Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Eggenstein-Leopoldshafen

„Frieden wächst aus unseren Händen – 1.000 Kraniche für die Hoffnung“

Fotos: Ralf Schreck & Gemeindeverwaltung

Am Sonntag, den 16. November 2025, kamen viele Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde in der Aussegnungshalle Eggenstein zusammen, um gemeinsam den Volkstrauertag zu begehen – einen Tag des stillen Gedenkens, des Innehaltens und der gemeinsamen Hoffnung auf Frieden. Die diesjährige Feier stand unter dem Leitgedanken „Frieden wächst aus unseren Händen – 1.000 Kraniche für die Hoffnung“. Hier ein BNN-Artikel 

Bereits beim Betreten der Aussegnungshalle entstand eine besondere Stimmung: 1.291 gefaltete Papier-Kraniche erfüllten bereits den Raum – kunstvoll aufgehängt, liebevoll gestaltet und getragen von der Hoffnung vieler Menschen, die sich in den letzten Wochen beteiligt hatten. Die Vielfalt der Farben, Formen und Materialien spiegelte auf wunderbare Weise wider, wie viele Schultern dieses Projekt getragen haben und wie sehr unsere Gemeinde zusammensteht.

Gemeinschaft setzt starkes Friedenszeichen

Mit dem diesjährigen Leitgedanken wurde an die Geschichte der kleinen Sadako Sasaki aus Hiroshima erinnert. Sadako war erst vier Jahre alt, als die Atombombe über ihrer Heimatstadt explodierte. Jahre später erkrankte sie an Leukämie – einer Spätfolge der Strahlung. In ihrer Hoffnung auf Heilung begann sie, 1.000 Origami-Kraniche zu falten, denn einer alten Legende zufolge erfüllt sich demjenigen, der diese Zahl erreicht, ein Wunsch. Sadako schaffte 999 Kraniche, bevor sie im Alter von zwölf Jahren verstarb. Ihre Mitschüler falteten den letzten für sie und erfüllten damit ihren Wunsch nach Frieden. Bis heute gilt der Kranich weltweit als Zeichen der Hoffnung, des Mitgefühls und der Sehnsucht nach einer friedlichen Zukunft.

Bürgermeister Lukas Lang hielt die Ansprache mit dem Totengedenken. Er erinnerte an das Leid der Weltkriege, das auch in unserer Gemeinde tiefe Spuren hinterlassen at: zerstörte Häuser, verlorene Leben, Familien, die einander verloren. Er mahnte:

„Frieden wächst dort, wo Menschen einander achten, wo sie einander zuhören, wo sie Verantwortung füreinander übernehmen. Frieden wächst – aus unseren Händen.“ Im Totengedenken wurde aller Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Terror gedacht. Dieser gemeinsame Moment der Stille verband die Anwesenden mit jenen, die vor uns lebten – und mit allen, die heute unter Krieg und Gewalt leiden.

Besonders berührend war der anschließende Beitrag von zehn Schülerinnen und Schülern der 6., 7. und 8. Klassen der Gemeinschaftsschule Eggenstein-Leopoldshafen dazu. In eindrucksvollen Worten erzählten sie Sadakos Geschichte und ergänzten sie durch ihre eigenen Gedanken darüber, wie jeder von uns im Alltag zu Frieden und friedlichem Handeln beitragen kann.

Ein Kranich für den Frieden

Zum Ende ihres Beitrages überreichten sie jeder Besucherin und jedem Besucher einen selbst gefalteten Kranich, der eine persönliche Friedensbotschaft enthielt – ein kleiner Begleiter für den Alltag, der uns daran erinnern soll, dass Frieden immer in den eigenen Händen beginnt. Diese Geste ging vielen sehr nahe.

Bereits am Freitag hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften Kristina Schnell und Yann Badalie tatkräftig geholfen, die Kraniche in der Aussegnungshalle aufzuhängen. Die Kraniche waren zuvor z. B. in Bastelaktionen im Rathaus gemeinsam mit dem Seniorenbeirat, Schülerinnen und Schülern der GMS und des Schülerhorts, in Vereinen, sowie aus vielen Privathaushalten zusammengetragen worden. Es war sehr bewegend zu sehen, wie sich immer mehr Menschen beteiligten, damit wir als Gemeinschaft die 1.000 Kraniche erreichen – und schließlich nun weit übertreffen: Bei der Gedenkfeier konnten die Gäste weitere mitgebrachte Kraniche an Pinnwänden aufhängen, wodurch nochmals 71 Kraniche hinzukamen. Als Gemeinschaft haben wir mit insgesamt 1.362 Kranichen ein wundervolles, motivierendes Zeichen gesetzt!

Pfarrer Matthias Boch griff in seiner Ansprache das Lied „Weiße Fahnen“ von Silbermond auf, das die Erlebnisse eines Kindes im Krieg schildert. Seine Worte machten deutlich, wie zerbrechlich Frieden ist und wie sehr wir als Gemeinschaft gefordert sind, ihn zu bewahren. Sein abschließendes Friedensgebet rundete die Feier mit einem Moment der Hoffnung und inneren Sammlung ab.

Klangvolle Begleitung und bleibendes Symbol

Das Schülerorchester des Musikvereins Lyra setzte musikalisch wunderbar passende Akzente während der Gedenkfeier. Mit den Stücken „Viva la Vida“ und „Heal the World“ schufen die 15 jungen Musikerinnen und Musiker eine Atmosphäre der Zuversicht, die den Leitgedanken der Feier auf besondere Weise unterstrich.

Auf dem gemeinsamen Weg zu den Ehrengräbern sorgten der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Leopoldshafen und Dudelsackspieler Oliver Köhler für eine würdige und eindrucksvolle Begleitung. Die musikalische Gestaltung dieses Weges zur Kranzniederlegung verlieh der Feier einen besonderen, ergreifenden Rahmen, abgerundet vom Flöten-Ensemble des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr, das mit „Ich hatte einen Kameraden“ den Abschluss der Veranstaltung bildete.

Die beeindruckende Zahl der entstandenen Kraniche und die große Resonanz auf das Projekt haben den Wunsch bestärkt, einen dauerhaften Platz für die Kraniche zu schaffen. Die Gemeinde möchte einen Ort finden, an dem die Kraniche auch künftig sichtbar bleiben – als bleibendes Symbol für Frieden, Zusammenhalt und unser gelebtes „Wohlfühlen in Vielfalt“. Es soll ein Platz werden, an dem Menschen innehalten, sich erinnern und Kraft schöpfen können – nicht nur am Volkstrauertag.

Ehrenamt und Unterstützung im Zeichen des Gedenkens

Ein besonderer Dank gilt Edwin Metzger, der die Ehrengräber auf dem Friedhof in Leopoldshafen im Vorfeld fachmännisch gereinigt hat. Dank seines ehrenamtlichen Engagements strahlen die Kompassrose und die Grabstätten wieder in Würde und Klarheit.

Ebenso danken wir der Freiwilligen Feuerwehr Eggenstein-Leopoldshafen, dem Deutschen Roten Kreuz Ortsverband Eggenstein-Leopoldshafen, dem Ortskartell, der Reservistenkameradschaft Nordhardt, dem Schülerorchester des Musikvereins Lyra, dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Leopoldshafen, Oliver Köhler und allen weiteren Helfern, die sich organisatorisch und mit tatkräftiger Unterstützung eingebracht haben. Durch Sie alle wurde der Volkstrauertag 2025 zu einem eindrucksvollen Zeichen gelebter Gemeinschaft.

Text und Fotos: Gemeinde Eggenstein-Leopldshafen