"Seit dem 14. Jahrhundert gab es eine jüdische Gemeinde in der Nordbadischen Kleinstadt Bruchsal. In Relation zur Gesamteinwohnerzahl befand sich dort am Vorabend des Ersten Weltkriegs eine der größten jüdischen Landgemeinden des Deutschen Kaiserreichs. Zahlreiche international bekannte Handelsfirmen hatten hier ihren Ursprung, manch eine lokale Textilgroßhandelsfirma war sogar auf Weltausstellungen in Übersee vertreten.
Zu einem jähen Ende kam all dies während der "unvergleichlichen Plünderungswelle" (ORF) zur Zeit des "Dritten Reichs". Ziel des Vortrags soll es sein, die Akteure und Vorgänge während der scheinlegalen Verdrängung jüdischer Gewerbetreibender in Baden zu identifizieren. Ein weiterer Fokus liegt gerade auf den ungeschriebenen Dynamiken, die sich konkret vor Ort und ohne Direktive aus Berlin oder Karlsruhe entluden.
Dennoch sind die Befunde nicht nur für die Bruchsaler oder Badische Lokalgeschichte, sondern für die Erforschung der Mechanismen und Funktionsweisen des Nationalsozialismus im Gesamten bedeutsam."